Taylor Falk

Ex-Soldat Taylor ist der Mann, auf den sich bei Problemen alle verlassen. Genau das ist auch der Grund, warum er sich in der Ladys-Only-Abteilung des Supermarkts wiederfindet. Während er auf der Suche nach einem Schwangerschaftstest für seine Freundin Zoey ist, stolpert er unverhofft in die junge Fay. Von der ersten Sekunde an ist er von ihr fasziniert, aber eine Reihe von Missverständnissen lässt die beiden getrennte Wege gehen.
Erst als sie sich in Talin wieder über den Weg laufen, nutzen sie die Gelegenheit und stürzen sich in eine heiße Affäre. Zurück in Boston erfährt Taylor von Fays Vergangenheit, die die Beziehung auf eine harte Probe stellt. Haben die beiden dennoch eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft?

 

Leseprobe:

1 Erster Eindruck

 

TAYLOR

 

Mit den Augen suchte Taylor in der Drogerie das Regal mit all dem Frauenkram ab. Sowohl er, als auch Max, fühlten sich hier sichtlich unwohl.

Max, Taylors geliebter Bernhardiner, wohl eher, weil alles stark nach Parfüm stank, er selbst, weil es ihm irgendwie unangenehm war, diese ganzen Ladys-only-Produkte zu begutachten.

Aber was tat man nicht alles für seine beste Freundin? Naja, oder ein Stück weit für sich selbst, weil man die beste Freundin absolut nicht ertragen kann, wenn sie mit einem Heulkrampf im eigenen Wohnzimmer sitzt.

Taylor schüttelte genervt den Kopf. Er hatte für ziemlich viel Verständnis und im Allgemeinen die Geduld eines Esels, aber bei heulenden, gebrechlichen Frauen spielten seine Nerven einfach nicht mit.

Er ging weiter das Regal entlang, auf der Suche nach einem Schwangerschaftstest und zog den widerwilligen Max dabei hinter sich her.

Max war auch so ein Übel, das er von einem Freund übernommen hatte. Fabio hatte nicht nachgedacht und hatte den Hund aus dem Tierheim geholt, bevor er ins Krankenhaus musste. Taylor hatte damals zugestimmt, acht Wochen auf den Rüden aufzupassen. Das war jetzt schon einige Monate her und ganz ehrlich … er hatte nicht vor seinen neuen besten Freund wieder abzugeben.

Taylor schaute zurück auf den eigensinnigen Bernhardiner und prallte ungebremst in eine andere Person. Er hörte ein Quietschen, aber als er sich umblickte, sah er niemanden. Erst ein Blick nach unten zeigte ihm, dass er die zierliche Frau mit seinem Bodycheck zu Boden geworfen hatte.

Ein Blick in ihr Gesicht ließ ihn fluchen. Sie heulte, was auch sonst, wenn sie mit voller Wucht auf dem Boden auftraf.

"Verdammt. Gott, das tut mir so leid", brummte er, packte sie unter den Armen und stellte sie auf die Füße.

Es war nicht schwer. Er war sehr stark und sie ziemlich leicht, obwohl sie mit ihren Stöckelschuhen nur einen Zentimeter kleiner war als er.

Sie sah ihn aus riesigen, verweinten Augen an. Ihre roten Haare … Taylor ging davon aus, dass sie gefärbt waren, so dunkel und tiefrot wie sie waren, standen ihr vom Sturz ziemlich wild vom Kopf ab.

"Haben Sie sich verletzt?", fragte er und versuchte die Unordnung glatt zu streichen.

Sie starrte ihn noch immer wortlos an und hickste dann.

Schluckauf … vom Heulen wahrscheinlich.

"Geht es Ihnen gut?"

"Ja, Entschuldigung", murmelte sie.

Sie war hübsch und irgendwie süß und das obwohl sie so verheult aussah. Definitiv eine Leistung, die nur die wenigsten Frauen schafften.

Sie hatte ein eher ovales Gesicht, dessen Stirn von einem schrägen Pony verdeckt wurde. Die Augen waren von einem so warmen braun, wie Vollmilchschokolade. Die einzige Sünde, die er sich immer mal wieder gönnte. Ihre Nase war zierlich und gerade, die Lippen voll und sahen einladend weich aus. Er ließ seinen Blick ihren schlanken Körper entlang wandern. Kleine, feste Brüste unter einem Tanktop, ein flacher Bauch und eine schmale Taille, in der Hand einen Schwangerschaftstest.

Noch nie hatte er bei einem Schwangerschaftstest Enttäuschung und Erleichterung zugleich gespürt.

Er griff nach ihrem Handgelenkt und zog ihre Hand direkt vor ihr Gesicht. "Wo kommt der her?"

Sie hatte wieder diesen Reh im Scheinwerferlicht-Blick drauf, also schüttelte er kurz ihre Hand.

Die leckere, leider wohl schwangere Frau, hatte die Lösung für all seine Probleme … oder zumindest für die zwei auf seinem Sofa.

"Wo haben Sie den gefunden?", wiederholte er seine Frage.

Mit zitternder Hand deutete sie auf das Regalfach neben ihm. Taylor wandte den Blick zu dem Regal und tatsächlich, da waren sie … eintausend verschiedene, was ein weiteres Problem darstellte, aber da waren sie! Er küsste die Hand der Fremden und sagte inbrünstig: "Danke! Sie retten mein Leben! Meine Freundin sitzt auf meinem Sofa und heult sich die Seele aus dem Leib!"

Er wandte sich dem Regal zu und inspizierte die riesige Auswahl. Teststreifen, ganze Stäbchen, Wochenanzeiger … was auch immer das sein sollte, Frühtest, zwei Streifen, drei Streifen, unterschiedliche Farben … wie sollte er da jemals den richtigen erwischen. Völlig überfordert entschied er sich sicherheitshalber alle mitzunehmen. Er meinte sich zu erinnern, dass Shane auch immer mehrere für Maya kaufte, also würde Zoey sie schon gebrauchen können.

 

FAY

 

Mit noch immer zitternden Händen und hängenden Schultern ging sie zur Kasse. Warum musste sie ausgerechnet im peinlichsten Moment ihres Lebens in einen absoluten Traummann stolpern?

Naja, so oder so, seine Freundin wartete ja schon zuhause auf ihn. Er schien es kaum erwarten zu können, zusammen mit ihr herauszufinden, ob sie eine glückliche Familie werden würden.

Die guten sind eben immer schon vergeben, Fay.

Unter solchen Umständen würde sie sich auf den Test auch freuen, aber nicht, wenn sie mit dem Vater des eventuellen Kindes nichts mehr zu tun haben wollte. Aber egal was kommen würde, sie würde es schon hinbekommen. Wie immer. Sie würde stark sein, und alles alleine regeln.

 

TAYLOR

 

Zurück im Treppenhaus, das zu seiner Wohnung führte, ging er in die Knie. Max legte die Vorderpfoten auf Taylors Schultern, wie er es in den vergangenen Wochen gelernt hatte und Taylor umfasste seine Hinterläufe. Huckepack trug er den fast neunzig Kilo Koloss in den ersten Stock. Er verfluchte dieses Haus nicht zum ersten Mal dafür, dass es keinen Fahrstuhl hatte.

"Ich schwöre dir, Dickerchen, ab morgen machst du Diät!", brummte Taylor und ging am oberen Treppenabsatz auf die Knie, damit Max hinunter steigen konnte.

"So viele Kilos können nicht gut für dich sein, wenn du sowieso schon Probleme mit den Hüften hast!"

Max musterte ihn nur stumm und wedelte träge mit dem Schwanz.

Kopfschüttelnd schloss Taylor die Tür zu seiner Wohnung auf. Vorsichtig lauschte er. Kein hysterisches Heulen mehr, er hoffte nur, dass er es mit den Tests nicht wieder von neuem anfachte.

Er schwenkte die Tüte wie ein Friedensangebot vor sich, während er mit Max die Wohnung betrat.

Der Rüde ließ sich direkt neben der Tür wie ein nasser Sack fallen.

Fauler Hund!

Dabei musste er doch noch nicht mal sich selbst die Treppen hoch schleppen!

"Ich hab ihn und noch zwanzig andere, falls es der falsche ist", sagte Taylor und musterte die beiden auf seinem Sofa.

Er kannte Zoey so nicht, und er wollte sie so auch nicht kennen. Sie sollte gehen und wieder kommen, wenn sie ihre bissige Art wiedergefunden hatte.

Mat grinste und sagte dann in vorsichtigen Ton: "Dann lass uns nach Hause gehen und die Tests machen." Das fand Taylor einen hervorragenden Plan. Auf Mat war einfach verlass.

Leider schüttelte Zoey schniefend den Kopf. "Ich will ihn sofort machen."

Eine schniefende Zoey will … da gab es weder für ihn noch für Mat etwas zu drehen. Taylor reichte Mat die Tüte und deutete dann auf die Badezimmertür. Je schneller sie das fertig hatten, desto früher hatten Max und er wieder ihre Ruhe.

Mat half Zoey auf, als wäre sie zerbrechlich oder bereits hochschwanger. Dann gingen sie zusammen in das kleine Badezimmer.

Erschöpft ließ Taylor sich auf das alte Sofa fallen. Kurz darauf gesellte sich Max zu ihm und nahm fast dreimal so viel Platz ein wie Taylor selbst.

Während er durch das weiche Fell an Max' Ohren streichelte, kam ihm unvermittelt die zierliche Rothaarige aus dem Supermarkt in den Sinn.

Er ärgerte sich darüber, dass er sich keine Zeit genommen hat, einen Moment länger mit ihr zu sprechen. Er war so glücklich gewesen, dass er die Tests gefunden hatte, dass er gar nicht länger darüber nach gedacht hatte, dass sie nicht zwangsläufig schwanger sein musste.

Vielleicht hatte sie den Test für eine Freundin gekauft, oder er war nur eine Vorsichtsmaßnahme, oder, oder, oder.

Genervt stöhnte er, als er Zoey wieder heulen hörte. Wäre er doch lieber bei der Frau mit den Schoko-Augen geblieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 TALIN

 

 

TAYLOR

 

Er wusste nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte, dass Zoey und Mat mit nach Talin gekommen waren. Er liebte Zoey, wirklich! Aber dieses ständige Geheule ging ihm sowas von auf den Sack. Es war, als hätten Aliens die Erde bevölkert und von Zoeys Körper Besitz ergriffen. Sie war nicht sie, sie war nicht, wie er sie die letzten zwanzig Jahre kannte.

Während der Alieninvasion war auch Mats Körper besetzt worden. Der knallharte Alleswisser hatte sich zu einem fast schon wehrlosen Häufchen Elend verwandelt, sobald es um eine heulende Zoey ging. Und es war gerade mal der dritte Monat! Taylor hatte keine Ahnung, wie er die nächsten sechs überstehen sollte.

Vier Tage waren sie nun schon in Talin, dem jährlich für zwei geniale Wochen stattfindenden Mittelalterfestival. Das Lager hatten sie wie im Jahr zuvor aufgebaut. Fire&Ice und Setarips zusammen.

Luce's Jungs, Tom, Jason und er teilten sich das große Schlafzelt. Taylor störte das nicht, er war es seit Jahren nicht anders gewöhnt, als seine Nächte auswärts zu verbringen.

Tom und Jason hatten nur widerwillig zugestimmt. Tyson, Juan und Alessio hatten alles wie immer schweigend akzeptiert. Einzig Sandro schien diese Konstellation wirklich gut zu finden.

Die Schlafzelte und das große Gemeinschaftszelt waren im Kreis rund um die Feuerstelle aufgebaut, die Tag und Nacht brannte, obwohl es Ende Juli sowieso schon verdammt heiß in Talin war.

Taylor hatte sich seine Decke in den Schatten des großen schwarzen Zelts gezogen und beobachtete das Geschehen.

Logan und Trish turtelten wie frisch Verliebte und bemerkten noch nicht einmal, dass sie von Chris mit Adlersaugen beobachtet wurden.

Nicky, die davon genervt zu schein schien, schnippte ihm gegen das Ohrläppchen.

Jason trainierte mit Juan, Alessio und Sandro, während Tyson ihren Handlanger spielte.

Zoey und Mat schienen wieder einmal in eine Diskussion verwickelt zu sein. Mats gequältem Gesichtsausdruck nach, verlor er sie gerade.

"Ich geh auf den Markt", sagte Zoey in diesem Moment und stand auf.

Mats Blick irrte über die Anwesenden, eindeutig auf der Suche nach Hilfe.

Seufzend stand Taylor auf, vergrub die Hände in den tief sitzenden Gauklerhosen und schlenderte zu den beiden hinüber.

"Nimmst du mich mit, Süße?", fragte er und lächelte Zoey schelmisch an.

Aus zwei Gründen. Zum einen, weil Zoey ihm dann nichts abschlagen konnte, und zum anderen, um Mat zusätzlich zu dem Kosenamen zu provozieren.

Mat hatte es verdient. Er zog Taylor ständig in seine Auseinandersetzungen hinein, obwohl das alles überhaupt nicht passiert wäre, wenn er Zoey gar nicht erst geschwängert hätte.

Zoey lächelte zuckersüß und antwortete auf Deutsch: "Du ärgerst ihn absichtlich."

Ebenfalls auf Deutsch, sagte Taylor: "Du etwa nicht? Du würdest kaum Deutsch mit mir sprechen, wenn du ihn nicht auf die Palme bringen wolltest."

Zoey verzog schmollend ihr hübsches Gesicht. "Er hat es verdient. Er macht mich verrückt!"

Dass sie sich gegenseitig das Leben zur Hölle machten, sagte Taylor lieber nicht. Es könnte in einem Heulkrampf von Zoey enden, und er würde es ausbaden müssen.

"Sprecht Englisch! Sofort!", bellte Mat.

Die lustige Ader auf seiner Stirn pulsierte, er musste wirklich am Ende mit seinen Nerven sein.

"Wir gehen auf den Markt", sagte Taylor und lächelte besänftigend.

"Das habt ihr gerade aber nicht geredet", sagte Alex auf Englisch im Vorbeigehen.

Mieser Verräter!

Bevor eine Diskussion ausbrechen konnte, schnappte er sich Zoeys Hand und zog sie hinter sich her den Wall hinauf auf die Straße, die zum Markt führte. Ein paar Minuten Ruhe von diesem hormongeschuldeten Beziehungsdramen würde ihnen allen gut tun. Außerdem freute Taylor sich auf ein bisschen Zeit allein mit seiner besten Freundin.

 

FAY

 

Es war ihr erstes Jahr in Talin. Ihre Freundin René hatte sie dazu überredet mitzufahren. Sie hatte es schon in den Jahren zuvor immer wieder versucht, aber es hatte nie in Fays Zeitplan gepasst.

Dieses Jahr mitzufahren war aber genau die richtige Entscheidung. Einmal raus aus all dem Alltagsstress, einmal vergessen, was in ihrem Leben gerade so alles schief läuft und vor allem, ein bisschen Abstand von Kevin bekommen, der ihr zum wiederholten Male das Herz gebrochen hatte.

An Renés Seite schlenderte sie über den Markt. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Lauter kleine Stände und Buden, jede einzelne liebevoll hergerichtet. Keine simplen Anhänger mit Planen oder umgebaute Transporter. Die Hütten waren aus Holz und bis ins kleinste Detail ausgestaltet.

Von Lebensmitteln, über Kleider, Schmuck und Souvenirs, gab es alles zu kaufen. Die Händler selbst hatten zu ihren Ständen passende Kleidung an. Manche ganz simple, andere prunkvolle Gewänder aus schwerem Samt.

Bei diesem Wetter beneidete sie keinen der Händler. In den Hütten musste es schon heiß genug sein, dazu noch die vielen Schichten, die sie trugen und die meisten von ihnen hatten auch noch sehr warm aussehende Kopfbedeckungen auf.

Sie blieb an einem Stand stehen an dem es kleine Ketten mit Steinen passend zu jedem Sternzeichen gab.

Bewundernd drehte sie einen der kleinen Steine in ihrer Hand. Er war braun mit einen goldstich, sah genauso aus, wie ein bestimmtes Paar Augen, dass sie erst ein einziges Mal gesehen hatte, das ihr aber bis heute nicht aus dem Kopf gegangen war.

"Sieh dir das mal an", sagte René.

Fay sah auf, konnte sich aber nicht mehr auf ihre Freundin konzentrieren. Über Renés Schulter hinweg, sah sie genau diesen Mann, der ihr seit Monaten durch den Kopf spuckte.

Er sah noch genauso atemberaubend aus, wie beim letzten Mal, als sie ihn gesehen hatte. Oder sogar noch umwerfender, jetzt wo sie ihn oben ohne bewundern konnte.

Die Schultern waren breit und kräftig, wie sie sich damals schon unter dem Shirt abgezeichnet hatten. Seine Brust war ebenfalls sehr trainiert und ging in einen Sixpack über, der ihre Finger vor Verlangen ihn zu berühren kribbeln ließ.

Sein schönes Gesicht, mit dem dreitage Bart hatte er zur Seite gewandt, was sein markantes Kiefer nur noch mehr betonte. Seine einmaligen Augen hatte er auf die Frau neben sich gerichtet. Erst jetzt fiel Fay auf, dass er einen seiner muskulösen Arme um sie gelegt hatte. Das war also die Frau, für die er den Test gekauft hatte. Sie passte zu ihm. Die Blondine war unglaublich schön, fast schon ein Model. Groß und schlank, strahlend blaue Augen und puppenhafte Gesichtszüge.

Kein Wunder, dass er ihr nicht einmal einen zweiten Blick gegönnt hatte. Wer so eine Frau zuhause hat, braucht nun wirklich keiner anderen mehr nachzuschauen.

"Wie gefällt es dir?", fragte René.

"Gut", murmelte Fay, die beobachtete, wie der Mann der Frau einen Kuss auf die Schläfe gab, woraufhin sie ihn strahlend anlächelte.

Es war das perfekte Glück, genau das, was sie selber seit Jahren vergeblich suchte. Mühsam schluckte sie gegen den Klos in ihrem Hals an und wandte sich René zu, die noch immer von wer weiß was sprach.